Grenzen und Innovationen

in unserer Arbeitswelt treffen wir ständig auf Grenzen, die uns scheinbar einengen. Scrum schafft sogar virtuelle Grenzen und fordert die strikte Einhaltung von Zeitboxen (Sprints, Dauer von Besprechungen wie z.B. das Daily). Aber auch die Tatsache, dass ein ProductOwner für den Return On Invest verantwortlich ist und diese Grenze oft zu Kontroversen führt zeigt die Bedeutung von Grenzen in Scrum.

Ich erlebe oft, dass diese Grenzen abgelehnt werden und deren Wert nicht erkannt wird. Ein Beispiel, was es bedeutet mit Grenzen zu arbeiten zeigt dieses TED Video auf das mich Stephan Raimer aufmerksam gemacht hat:

Die Essenz für ProductOwner & Teams wird am Ende zusammengefasst:

Wir haben wirklich versucht, den Anwender zu verstehen

Wir haben versucht, das grundlegende Problem zu verstehen und uns nicht durch bereits existierende Lösungen/Erklärungen beeinflussen zu lassen

und wir haben intensiv nach der einfachsten Lösung gesucht, die dieses Problem lösen konnte

Grenzen sind ein wertvolles Hilfsmittel, wenn nicht sogar notwendiges Hilfsmittel, um innovativ zu arbeiten. Ein erfolgreiches Scrum Team nutzt Grenzen und arbeitet mit ihnen – nicht gegen sie.

Ken Schwaber gibt Sabbatical bekannt (ScrumDay2012)

Auf dem ScrumDay 2012 in St. Leon-Rot hat Ken Schwaber bekannt gegeben, dass er nach seinem Vortrag ein Sabbatical einlegen wird. Das Foto dürfte also einen gewissen historischen Wert haben (daher ist es auch so unscharf – vielleicht sollte ich doch noch einen Sepia Filter…)

Ich bin gespannt, welche Auswirkungen das auf die Agile Community hat und insbesondere wie sich Scrum.org weiter entwickeln wird. (Und ich bin auch sehr gespannt, wie lange das Sabbatical wirklich dauern wird ;)

Sein Vortrag hat mir sehr gefallen – Die Schrift auf der Flipchart konnte ich zwar nicht lesen, aber ich bin immer wieder sehr beeindruckt, mit welcher Klarheit Ken es schafft, das Wesen von Scrum auf den Punkt zu bringen.

Nicht ohne auf sein neues Buch Software in 30 Days hinzuweisen, das er zusammen mit Jeff Sutherland geschrieben hat, erklärt er die Essenz von Scrum: Software in 30 Tagen.

Warum auf etwas 15 Monate warten, das man nicht will, wenn man es bereits nach 30 Tagen haben kann.

Erklärt er mit einem kleinen Seitenhieb auf die langen Feedbackschleifen bei anderen Methoden.

Sehr gut finde ich die Erklärung von Scrum, ohne die dazu gehörigen Fachbegriffe. Die Verantwortlichkeiten fasst er z.B. zusammen mit:

  • Entwicklung – Verantwortlich für eine professionelle Entwicklung des Produktes
  • Produktivität – Verantwortlich für kontinuierliche Verbesserung und das Beseitigen von Hindernissen
  • Wert – Verantwortlich für den Wirtschaftlichen Erfolg
  • Governance – Verantwortlich für die Gestaltung eines Rahmens

Diese Verantwortlichkeiten liefern die Möglichkeit eine Entwicklungsmatrix als Grundlage für kontinuierliche Verbesserung zu definieren. Zusammen mit einem Ansatz, der es erlaubt Software in 30 Tagen zu entwickeln ist das der “Ken Schwaber Weg” agiler zu werden.

Ein weiteres Plädoyer für die Moderationswand

Release Planning. Die Teilnehmer starren gebannt auf die Liste, die der Beamer an die Wand wirft. Der ChiefProductOwner versucht verzweifelt eine Releaseübersicht herzustellen. „Wieviele Stories haben wir in dem Release?“ Der CPO verzieht verzweifelt das Gesicht, zuckt mit den Achseln und der Mauszeiger bewegt sich ziellos über die Benutzeroberfläche. Der Verdacht erhärtet sich, dass die Teilnehmer nicht gebannt sind, sondern eher in einer Art Trance.

30 Minuten später stehen 2 ProductOwner diskutierend vor der Wand. Die anderen sitzen am Tisch. Vor ihnen liegen 10 Karten. Sie diskutieren, verschieben die Karten auf dem Tisch. Kurze Zeit später sind die Karten an der Wand. Zu Fünft geht die Diskussion weiter. „Oh – was ist das hier?“ „Schau mal, da fehlt was, müsste hier nicht noch?“ „Stimmt“…

Was war geschehen? Die „Beamer Wand“ wurde durch eine Moderationswand ersetzt. Der anfängliche Widerstand „Was? Wir müssen alle 80 UserStories auf Karten schreiben“ war schnell verflogen, da bereits beim Schreiben der Karten eine lebhafte Diskussion über die Qualität der Stories, die Priorisierung oder die Zuordnung zu Releasezielen entstand.

Nach ca. 90 Minuten war das komplette Release auf der Moderationswand (inkl. der Zeit die für das Beschaffen einer weiteren Moderationswand, Papierschneidemaschine und Kärtchen benötigt wurde). Danach folgte eine intensive Diskussion in erweiterter Runde. Wieder mit viel Bewegung und viel Engagement.

Elektronische Tools sind gut und wichtig, wenn es um die Dokumentation von Beschlüssen und Entscheidungen geht. Wenn ich ein Backlog über verteilte Standorte zugreifbar machen möchte, dann liegt der Einsatz eines elektronischen Tools nahe. Elektronische Tools sind (derzeit) aber völlig ungeeignet für die gemeinsame Arbeit am Backlog.

Bei der Moderationswand aktivieren Stifte, Karten und Moderationswände die Teilnehmer und erlauben einen für elektronische Tools unerreichbaren Überblick. Selbst wenn wir in diesem Falle das Backlog nur für eine Besprechung erstellt hätten, hätte sich diese Arbeit ausgezahlt. Der Erkenntnisgewinn während der 90 minütigen Erstellung übertraf bei weitem den Erkenntnisgewinn aus gleichlangen, mit Beamern geführten Besprechungen.

Ein kleiner Wochenrückblick (KW11)

Ein Zitat eines Kunden möchte hier zum Besten geben:

“Egal wieviel Change wir hier machen, wenn wir nicht liefern, hat alles nichts gebracht”.

Auch die Bedeutung des ProductOwners wurde von einem Kunden sehr gut beschrieben:

“Der ProductOwner muss für sein Produkt brennen, sonst kann er diese Aufgabe nicht übernehmen. Nur was mache ich, wenn er das nicht tut?”

Gleich bei drei Kunden wurde in dieser Woche sehr deutlich, wie wichtig die richtige Teamzusammensetzung für den Erfolg eines Teams ist. “Monokultur” bei den Kompetenzen führt ebenso zu Problemen, wie fehlende Diversität in den Präferenzen/Vorlieben der Teammitglieder. Die richtige Teamzusammensetzung ist daher ein fester Bestandteil meines Coachings für Agile Managern.

Auch die nächste Woche verspricht viele interessante Aufgaben…

1 Jahr zertifizierter Business Coach – Coach Camp 2012

Pünktlich zu unserem einjährigen Jubiläum meiner Coaching Ausbildung habe ich mich am vorletzten Wochenende mit vielen Teilnehmern unserer Ausbildung in der Eifel am Nürburg-Ring getroffen.  Es war sehr spannend zu sehen, wie die einzelnen Ausbildungsteilnehmer sich weiter entwickelt haben und welche Wege sie eingeschlagen haben.

Rückblickend lässt sich sagen, dass die Coaching Ausbildung die Ausbildung war, von der ich am meisten profitiere. Viele Methoden sind inzwischen in Fleisch und Blut übergegangen. Woran lag das? Was unterscheidet diese Ausbildung von anderen Ausbildungen und Trainings, an denen ich teilnehmen durfte?

Aus meiner Sicht waren folgende Punkte entscheidend für den Ausbildungserfolg:

Lerngruppen

Lernen ist ein sozialer Vorgang. Die Ausbildung unterstütze dies durch die Bildung von Lerntandems. Dadurch hatten wir die Möglichkeit zwischen den Präsenztagen miteinander zu lernen, uns gegenseitig zu unterstützen und Feedback zu geben.

Übungsaufgaben

Die Arbeit der Lerngruppen wurde durch konkrete Übungsaufgaben und durch Übungscoachings unterstützt. Somit konnten wir am Ende der Ausbildung bereits auf eine beachtliche Coaching Erfahrung zugreifen.

Abschlussarbeit und Klausur

Die Abschlussarbeit und Klausur bildeten einen weiteren Baustein in der Festigung des Wissens. Während wir in der Abschlussarbeit unser neues Wissen mit unserer Arbeitswelt verknüpften half die Klausur dabei, das Wissen noch einmal zu vertiefen.

Direkter Transfer in meine Arbeitswelt

Zu guter Letzt hatte ich die Möglichkeit meine neugelernten Methoden direkt in meiner Arbeit als Scrum Coach einzusetzen. Coaching Methoden gehören in den Werkzeugkasten eines guten ScrumMasters. Ich setze sie selbst ein und gebe sie gerne an andere ScrumMaster in Trainings oder Coachings weiter.

Aber es gab auch viel Neues in der Eifel zu lernen. Wir nutzen die Coach Camps, um uns gegenseitig neue Methoden und Erkenntnisse vorzustellen. Insbesondere das Innere Team von Schulz von Thun hat es mir angetan. Frei nach dem Motto „Du kannst kein Team führen, wenn Du Dich nicht selbst führen kannst“, werde ich die Methode definitiv in meinen Trainings und Coachings für ScrumMaster einfließen lassen. Die Methode bietet hierzu ein spannendes und vielfältiges Potential.