Ein weiteres Plädoyer für die Moderationswand

Release Planning. Die Teilnehmer starren gebannt auf die Liste, die der Beamer an die Wand wirft. Der ChiefProductOwner versucht verzweifelt eine Releaseübersicht herzustellen. „Wieviele Stories haben wir in dem Release?“ Der CPO verzieht verzweifelt das Gesicht, zuckt mit den Achseln und der Mauszeiger bewegt sich ziellos über die Benutzeroberfläche. Der Verdacht erhärtet sich, dass die Teilnehmer nicht gebannt sind, sondern eher in einer Art Trance.

30 Minuten später stehen 2 ProductOwner diskutierend vor der Wand. Die anderen sitzen am Tisch. Vor ihnen liegen 10 Karten. Sie diskutieren, verschieben die Karten auf dem Tisch. Kurze Zeit später sind die Karten an der Wand. Zu Fünft geht die Diskussion weiter. „Oh – was ist das hier?“ „Schau mal, da fehlt was, müsste hier nicht noch?“ „Stimmt“…

Was war geschehen? Die „Beamer Wand“ wurde durch eine Moderationswand ersetzt. Der anfängliche Widerstand „Was? Wir müssen alle 80 UserStories auf Karten schreiben“ war schnell verflogen, da bereits beim Schreiben der Karten eine lebhafte Diskussion über die Qualität der Stories, die Priorisierung oder die Zuordnung zu Releasezielen entstand.

Nach ca. 90 Minuten war das komplette Release auf der Moderationswand (inkl. der Zeit die für das Beschaffen einer weiteren Moderationswand, Papierschneidemaschine und Kärtchen benötigt wurde). Danach folgte eine intensive Diskussion in erweiterter Runde. Wieder mit viel Bewegung und viel Engagement.

Elektronische Tools sind gut und wichtig, wenn es um die Dokumentation von Beschlüssen und Entscheidungen geht. Wenn ich ein Backlog über verteilte Standorte zugreifbar machen möchte, dann liegt der Einsatz eines elektronischen Tools nahe. Elektronische Tools sind (derzeit) aber völlig ungeeignet für die gemeinsame Arbeit am Backlog.

Bei der Moderationswand aktivieren Stifte, Karten und Moderationswände die Teilnehmer und erlauben einen für elektronische Tools unerreichbaren Überblick. Selbst wenn wir in diesem Falle das Backlog nur für eine Besprechung erstellt hätten, hätte sich diese Arbeit ausgezahlt. Der Erkenntnisgewinn während der 90 minütigen Erstellung übertraf bei weitem den Erkenntnisgewinn aus gleichlangen, mit Beamern geführten Besprechungen.

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One Response to “Ein weiteres Plädoyer für die Moderationswand”

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  1. Felix says:

    Sehr schön zusammen gefasst! Den gleichen Effekt beobachte ich auch immer wieder.

    Wobei es teilweise nicht an den elektronischen Tools (die ein Problem mit der Distanz Bediener/Medium haben) liegt sondern dran, dass mit der leeren Wand und dem Neuschreiben der Karten ein verfestigtes Denkmuster/Szenario über Bord geworfen wird und neu geplant und durchdacht werden muss.

    Wie heisst es so schön: “Ein Plan ist nichts aber Planung ist alles”.

Eure Meinung?

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